Der Podex des Herkules

    Von einem Attentat des jugendlichen Otto von Bismarck auf eine Herkulesstatue im Park seines elterlichen Gutes Schönhausen berichtet der Dichter Hans Bethge.

    Im Park von Schönhausen ragt eine alte Sandsteinfigur, ein Herkules, der sich mit der rechten Hand auf die Keule stützt. Die linke Hand soll nach dem Willen des Bildhauers offenbar auf der Hüfte ruhen, doch ist es dem Künstler geschehen, daß sie zu weit nach hinten gerutscht ist, so daß man eher sagen kann, sie ruht auf dem Gesäß.

    Als der junge Bismarck im Alter von vierzehn Jahren einmal auf Ferien zu Hause war, schlenderte er mit der Flinte durch den Park, um Kaninchen zu schießen. Beim Anblick der Herkules-Statue juckte ihn der Übermut, er hob die Flinte und jagte dem steinernen Halbgott eine Schrotladung ins Gesäß.
    Am nächsten Tage machte der Jüngling mit dem Vater einen Spaziergang durch den Park. Der Vater nahm erstaunt und ärgerlich die Veränderung an der Plastik wahr und fragte seinen Sohn mit verhaltenem Zorn, ob er diese Dummheit begangen habe.
    Der junge Bismarck, der nicht zu lügen pflegte, gestand sein Attentat sofort, war aber bereits Diplomat genug, um sein Geständnis in eine Form zu kleiden, die den Vater entwaffnete.
    „Ja“, sagte er, „ich habe es aus reinem Übermut getan, Vater, da ich den großen Podex so komisch fand. Hätte ich freilich gewußt, daß ich dem Mann wehe tun würde, so hätte ich es unterlassen. […]“

    Hans Bethge, Otto von Bismarck. Ein Lebensbild in Anekdoten, Berlin 1970, S.11

     

    Bismarck Herkules Park SchoenhausenDie Zeichnung ist erschienen in: George Hesekiel, Das Buch vom Grafen Bismarck, Bielefeld und Leipzig 1869 (gemeinfrei)